klassentreffen

eine von mir wenig geliebte pflicht muss bewältigt werden – und jetzt bitte nicht vor schreck den computer abdrehen – mein zwanzigjähriges maturatreffen. man lasse sich das bitte auf der zunge zergehen: zwanzig jähriges maturatreffen. ich bin den tränen nah!

als erstes stellt man unweigerlich fest: und wie wir uns alle verändert haben! damals dicke sind dünner, damals dünne sind dicker geworden. einige sehen hübscher aus als man glauben kann, andere hingegen … c’est la vie, wie der abgeklärte franzose sagt.

wir kommen ins gespräch:

jaaaa … ich bin seit bald achtzehn jahren verheiratet …
… nein, ich bin schon zweimal geschieden …
… ich und heiraten? wieso denn, sogar mein schwuler onkel ist einmal geschieden. in meiner familie haben ehen meistens ein ablaufdatum …
… drei kinder? wow, das nenn ich produktiv! …
… ich bin bankerin geworden, bei der CA …
… ich war anfangs sekretärin. heute bin ich glückliche hausfrau, mein mann verdient die kohle …
… schon zweimal wurde ich wegen herzinsuffizienz ins spital eingeliefert …
… was? die sabine hat MS? mein gott, so schaut sie ja gar nicht aus (anmerkung: wie schaut denn einE MS-krankeR aus? *kopfschüttel*)

dann kommt die fotozück-runde:

… das sind meine beiden wonneproppen …
… hier könnt ihr meinen mann sehen — und da meine prinzessin. ist sie nicht wunderschön? (anmerkung: neidlos muss man diese tatsache zugeben: ein wunderhübsches kind)
… und das ist mein bärchen …

ok, nachdem die fotorunde fast vorüber ist, kommt die frage aller fragen an mich: „und, wo sind deine familienfotos?“

tja, ich zücke mit stolzgeschwellter brust das foto meines mäuschens aus meinem geldbörserl, drücke das bildchen an meine brust und verkünde lauthals: „das ist mein schatzi. sie ist wunderhübsch, hat grüne strahleaugen, ein keckes gemüt und bringt mich jeden tag wenigstens einmal zum lachen.“

„eeeeecht?“
„also meine bringt mich jeden tag zum weinen – teenager – pubertät – eh scho wissen!“
„mein tassilo ist eine ausgeburt an höflichkeit. er hat stil und klasse und ist schwiegermamis liebling!“
„ist er auch schwiegertochters liebling?“ *lol*

„also wollt ihr nun mein schatzi sehen, oder nicht?“, frag ich in die runde.

„zeig her!“

ich drehe mit einem breiten grinsen das konterfei meines schatzis zur allgemeinen begutachtung um. alle grinsen und schmunzeln, biggi bricht sogar in schallendes lachen aus. „hätt ich mir ja denken können, dass du eine katze und kein kind hast! das hast du ja immer schon so gesagt! schön, dass sich manche dinge niemals ändern!“

anmerkung: die namen meiner ex-klassenkameraden sind in dieser story reine fiktion!

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6 Kommentare zu “klassentreffen”

  1. hallo fiona, willkommen auf meinem katzenweblog!

    klassentreffen sind irgendwie seltsam. einerseits bin ich furchtbar neugierig was so aus den leuten, mit denen du 8 jahre die schulbank gedrückt hast, gewoden ist. andererseits muss ich stets meinen inneren schweinehund überwinden, denn mir kommt es jedes mal so vor, als ob die erreichten ziele (ob ehegespons, kind, katze oder karriere) in einer art wettbewerb präsentiert werden … am ende sind klassentreffen doch immer wieder etwas nettes. trotzdem: gut, dass sie nicht zu oft stattfinden. 🙂

    LG kipet

  2. Bin auch deiner Meinung – es ist eine Art Wettbewerb. Ich denke, das ist nichts anderes als Wunsch, eigenem Ego gut zu tun – sobald man erfährt, das man mehr erreicht hat als die anderen Schulbankdrücker, füllt man sich besser. Aber nach der ersten „Angeben-phase“ wird dann doch meistens ein netter und witziger Abend, oder? 😉

  3. nein, war wirklich ein TOTAL netter abend. wie gesagt, ich mag die „puppileinchens“ und „juniors“ (wie unsere psycholehrerin immer so fesch sagte) aus meiner maturaklasse alle sehr. ist ein klasser haufen. nur immer diese „angeber-phase“ – die nervt ein bisserl! 😉

  4. Pruuust….dann weiß ich ja was mich im November erwartet!

    Werde mit Schalk in den Augen und Deinen Blog-Eintrag im Hinterkopf die Sache betrachten.

    😉 😉

    LG Tina

  5. hallo tina,

    freut mich, dass meine geschichte dich zum schmunzeln gebracht hat!

    für mich sind klassentreffen wie ein schaurig-fröhlicher spaziergang in eine lang vergangene vergangenheit.

    schaurig … weil wer geht schon gerne zur schule?

    fröhlich … weil ich leute wieder sehe, die mich eine zeit lang begleitet haben; die mir irgendwie klammheimlich ans herz gewachsen sind – nicht zu sehr, aber doch so sehr, dass ich mich im tiefsten inneren auf ein wiedersehen freue. 🙂

    LG kipet

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