Begegnung der zänkischen Art

Wenigstens einmal täglich gehe ich mit Frau Katz in den hauseigenen Hinterhof. Gassi. Oder nein, nicht „gassi“, sondern „ins Grüne“. Auslüften. Baum klettern, Fliegen jagen, Vogerl schauen … Ähm – Frau Katz macht das natürlich, nicht ich! 😉

So getan auch gestern. Am späteren Vormittag, die Sonne scheint, es weht ein laues Lüfterl … Ein perfekter Herbsttag, alles in allem. Frau Katz und ich sind ja mittlerweile mehr als nur bekannt in der ganzen Umgebung. Auch Leute von den Nachbarhäusern grüßen uns lächelnd (oder auslachend?), wenn sie uns beide im Hinterhof sehen.

Vor ein paar Monaten ist ein sehr nettes Mädel ins Haus gezogen. Sie ist noch jung und wohnt zum ersten Mal ohne Eltern, und mit ihrem Freund. Wir unterhalten uns jedes Mal sehr lieb und sie hat stets ein nettes Wort für Frau Katz übrig … die sich selbstredend nicht zeigt und lieber hinter den Mülltonnen hockt, so lange eine Fremde in ihrer näheren Umgebung ist.

Ich lasse stets die Hinterhoftür ins Stiegenhaus offen, damit, sollte Frau Katz mal „müssen“ (weil noble Katzendamen pinkeln nicht fremd), sie schnell rauf in unsere Wohnung düsen kann. Frau Katz streunt fröhlich durch die hinterhöfische Botanik, als ich höre, dass die Türe geschlossen wird. „Seltsam“, denke ich mir, „und das heute, wo’s draußen wärmer als im Stiegenhaus ist.“

Ich mache die Türe wieder auf und starre in zwei wütende Frauenaugen. Ich grüße höflich, was freundlicherweise ignoriert wird. Dann sehe ich hinter der Frau schüchtern unsere neue Mitbewohnerin hervorwinken und leise mit der Schulter zucken. Ich winke zurück und drehe mich wieder zu Frau Katz um, die weiterhin fröhlich das wild wuchernde Buschdickicht erkundet.

Ich stehe also mit dem Rücken zur Hinterhoftüre, als diese wenige Minuten später wieder geschlossen wird. Ich drehe mich um und sehe eben jene „freundliche“ Frau – treffsicher kombiniert, die Mutter meiner neuen Mitbewohnerin – wütend auf mich zukommen.

„Wieso ist die Türe offen?“

„Äh, weil ich hier draußen bin?“, antworte ich.

„Aber wir heizen doch schon alle und es wird immer teurer!“, keift mich Madame an.

„Klar heizen wir alle. Ich tu das schließlich auch. Aber eine halbe Stunde die Tür offen lassen kann doch kein Problem sein“, verteidige ich mein Tun.

„Aber in dieser halben Stunde heizen wir für den Gang“, giftet das Kampfweib zurück.

„Gnädige Frau, bis jetzt hat sich noch niemals jemand darüber beschwert, dass ich seit 5 Jahren mit meiner Katze für eine halbe Stunde tagtäglich in den Hof gehe und dabei auch die Türe offen lasse. Außerdem ist es heute heraußen wärmer als im Stiegenhaus, also sollten selbst Sie nichts dagegen haben. Und so wie ich das sehe, wohnen Sie nicht einmal hier. Würde sich Ihre Tochter beschweren, stünde das auf einem anderen Blatt. Ich wünsche Ihnen noch einen guten Tag!“

Böse starrt mich das Kampfweib an (wenn Blicke töten könnten, würde ich heute nimmer hier sitzen und schreiben) und wirft noch einen bitterbösen Blick auf Frau Katz. Doch Kätzchen, die tapferer Weise diesmal nicht hinter den Mülltonnen verschwindet, macht daraufhin einen Buckel und einen auf Irokesen, pfaucht kurz und dreht der „freundlichen Dame“ ihren Allerwertesten entgegen.

Grinsend denk ich mir: „Kurz, bündig und sehr aussagekräftig. Besser hätte ich es auch nicht machen können, gute Frau Katz!“

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5 Kommentare zu “Begegnung der zänkischen Art”

  1. *lach*…

    ich stell mir vor – wie Frau Katz püüh sagt (wenn sie es könnte) sich umdreht und mit erhobenen Schwanz von dannen zog…

    mach weiter so!

    liebe Grüße und schönen Sonntag noch

    Ini

  2. Ehrlich, es kam mir fast so vor, als würde Frau Katz verstehen worum sich diese Zankerei drehte. Sicherlich hat sie die (bzw. meine) Stimmung gefühlt und deswegen so herrlich reagiert. 🙂

    Auch an Dich, Ini, liebe Grüße und noch einen schönen Sonntagabend, Kipet

  3. hallo Kipet,

    so ist es…

    unsere Katzen haben ein gutes Gespür, wie es uns geht. Sind wir traurig oder krank versuchen sie uns aufzumuntern oder zu trösten.

    warum solln Katzen nicht auch solche Situationen spüren und „ihre“ Schlüsse daraus ziehen.

    das erinnert mich ein wenig an meinem Spaziergang am Freitag – da kam ein rotgestromtes Kätzchen, lief wieder weg, mauzte mich an und ließ sich zwischendurch streicheln.

    http://micha-ini.de/4images/details.php?image_id=4886

    Was die Katze von mir wollte – weiß ich nicht, aber ich hab nicht mehr so viel gegrübelt

    liebe Grüße

    Ini

  4. *Lach* das Katzerl schaut ja richtig nach Kampfkatze aus, wie sie da auf dem Foto vor sich hin pfaucht! 😉

    Ohne Frau Katz wäre mir das vergangene Jahr sehr schwer gefallen …

    LG Kipet

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