Spuren im Schnee

Endlich, heute hat’s auch in Wien geschneit!

Ich weiß, kindisch. Aber ich liebe den Schnee. Vor allem, wenn er frisch, weiß, beinahe jungfräulich auf den Gehsteigen liegt. Oder – wie bei uns – im Hinterhof. Kein rüder Fußstapfer, der den Weg zu den Mistkübeln beschreitet, verunstaltet die weiße Pracht. Als ich heute von meiner Arbeit nach Hause komme, denke ich mir: „Ja, das musst du der Frau Katz zeigen.“

Und oben erwartet sie mich schon, meine liebe Frau Katz. Mit ihrem Bauchikraul-Begrüßungs-Rückenplumpser, gleich hinter der Wohnungstür. Strecken, Bäuchlein zeigen, maunzen und erzählen: wie hat Frau Katz heute ihren Tag verbracht? Was hat sie getan? Hat sie mit den Bällchen gespielt oder doch lieber den Tag verpennt?

Frau Katz ist eine redselige ihrer Gattung. Sie maukt mir jeden Abend ihre Tageserlebnisse zu. Oder zumindest nehme ich das an, denn wenn sie kurz innehält in ihren Maukerzählungen und mit den Augen blinzelt, sage ich: „Mmmmhm, ja, das ist aber spannend. Und was hast du noch getan?“

Ich krieg immer Antwort von meiner Frau Katz. Und meine Mutter, die dieses Spektakel auch schon des Öfteren beobachten konnte, ist jedes Mal wie von den Socken. Ja, Frau Katz und ich, wir verstehen uns prächtigst.

Heute habe ich aber eine Überraschung für meine Katzendame auf Lager. Ausgang. In den Schnee.

Ich öffne die Wohnungstür, nicht ohne mich nochmals fest in meinen Wollschal zu wickeln, und wir beide gehen die zwei Stockwerke hinunter zur Tür zum Hinterhof. Anscheinend weht durch die Ritzen der Tür schon ein leise fröstelnder Wind, denn Frau Katz schaut mich leicht zweifelnd an – in der Art: „Bist du dir sicher, dass das eine gute Idee ist?“

Egal. Ich öffne die Hinterhoftüre, das Lüfterl wird noch eine Spur kälter, aber das kann meine wackere Katze nicht davon abhalten ihr Terrain endlich mal wieder abzugehen. Der erste zaghafte Schritt in die weiße Pracht steht an. Frau Katz schaut mich wieder an und man sieht ihr ihre Meinung ins Gesicht geschrieben: „Du spinnst ja. Aber es ist soooo verlockend, und ich bin sooo neugierig.“

Also nimmt Frau Katz all ihren Mut zusammen und setzt ihr Füßchen in den jungfräulichen Schnee im Hinterhof. Das zweite Beinchen folgt, dann die Hinterbeinchen. Schön brav, eines nach dem anderen. Immer wieder werden die Hinterpfoten Dank des kalten Nass‘ ausgeschüttelt. Und Menschen würde ein lautes „Sch….kaltisdessackranoamal!“ ausfahren.

Frau Katz macht’s nobel – mit dem Ausschütteln ihrer Hinterbeinchen.

So schleicht sie sich Pfoten schüttelnd einmal quer durch den Hinterhof. Überall hinterlässt sie niedliche kleine, kreisrunde Katzenabdrücke. Ich ärgere mich, dass ich meine Kamera nicht dabei habe, aber so ist das eben mit mir: in den wichtigsten Momenten fehlt meine Kamera IMMER!

Ein Rundgang im Hof reicht. Ich rufe Frau Katz zurück – krank braucht mein Mäuschen ja auch nicht werden – und ich trage sie eng an mich geschmiegt die zwei Stockwerke hinauf. In unsere Wohnung. In unsere herrlich warme, das Schnurren auslösende Wohnung!

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8 Kommentare zu „Spuren im Schnee“

  1. Hoffentlich holt sich Frau Katz keine Erkältung nach ihren Ausflug im Schnee.
    Für die Katzendame war das sicher ein „sensationelles“ Erlebnis.
    Bin gespannt, wie sie sich verhält wenn Du das nächste Mal mit ihr in den Hof gehst.
    Skeptischer Blick…ob das weiße Zeug noch da ist???

    Lieben Gruß Tina

  2. Ja, ja.
    Als Frau Katz das letzte Mal bei mir war, damit die Katzen-Mami Silvester auf ganz besondere Art feiern konnte hab ich da auch eine Geschichte zu erzählen.

    Frau Katz hat am Küchenfenster einen kleinen, ganz eigenen Aussen-Balkon bekommen. Absolut Absturz gesichert selbstredend!
    Den mag sie sehr gerne und ist als Ersatz für den nicht stattfinden könnenden Hinterhofausflug gedacht.

    Dieses Mal hatte sie aber keine so grosse Freude, weil ja das Fensterblech ziemlich kalt war. Ein vorsichtiges Pfötchen ausstrecken und rasch wieder einziehen und ein klägliches Gschau liessen mich sofort Abhilfe schaffen und Zeitungspapier wurde ausgelegt. Dann war alles wieder OK.

  3. @Tina: Wie sich Frau Katz benimmt? Sie maukt mir die Ohren voll: „Ich will raus in den Schnee“-oder so ähnlich, so gut hat es ihr gefallen. 😉

    @Katzen-Omi: Danke fürs Aufpassen und fürs Zeitungspapier am Katzenbalkon. Und es stimmt, was andere sagen: Omi ist die Beste! 😉

  4. hallo Kipet,

    Maxi mag Schnee nicht unbedingt. Morle hüpft immer wie ein junges Kücken durch den Schnee und manchmal sieht es aus, als wolle sie versuchen den Schnee zu fangen

    aber beide laufen immer hochbeinig durch den Schnee und dann ganz schnell wieder ins Warme, wie Frau Katz auch.

    und wenn das Fellchen nass ist, setzt man sich bei Frauchen auf den Schoß und lässt es sich mit einem Handtuch trocken rubbeln – da kann man toll schnurren *g*

    liebe Grüße und einen tolles WE

    Ini

  5. @Ini: voll süß, Dein Morlechen. Ich stell mir die schwarze Katzendame wie ein Gummiball durch den weißen Schnee hüpfend vor. Hast Du ein Foto davon? 🙂

  6. hallo Kipet,

    ich hab „nur“ eins – wo Morle hochbeinig durch den Schnee stapft..

    vorher hatte sie Flockenhasche gespielt – doch so schnell war ich nicht mit der Kamera am Fenster 😦

    liebe Grüße

    Ini

  7. Das ist aber ein ganz feines Foto, Ini. Man sieht, dass deine Morle den Schnee genießt! 😉

    Ein Foto vom Flockenhaschen wäre ja DER Schnappschuss gewesen! Aber ich kenn das, die Kamera ist selten bei den besten Momenten dabei! 😉

    LG Kipet

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