Unglaublich

Wenn Katzen nicht wollen, dass man sie findet, findet man sie auch nicht!

Wie schon hinlänglich bekannt, ist meine Frau Katz Teilzeit-Freigängerin. Das bedeutet, ein- bis zwei- oder dreimal täglich darf Frau Katz im Haus herumlaufen. Oder aber auch schon mal öfter, wenn sie besonders rummaukt … 

Gestern war wieder mal so ein „Katzenzezentag“. Frau Katz war rundum unzufrieden. In Fällen wie diesen hilft eigentlich nur mehr der bewährte Teilzeit-Freigang. Ich locke meinen Felltiger also in die Küche und öffne dort das Fenster zum Gang hinaus. Mit einem zufriedenen „MAUK“ entfleucht Kätzchen in die Kälte am Gang.

Na bitte, wer’s braucht, denk ich mir und lese mein Buch in der Küche weiter. Ein spannendes Buch. Ich kann gar nicht aufhören zu lesen. Die Zeit verstreicht indessen. Ab und an höre ich Frau Katz im Gang rum rennen und mauken, was mich beruhigt und zufrieden stellt.

Das Buch fesselt mich immer mehr. Ich kriege nicht einmal mehr mit, dass ich nichts mitkriege. 

Irgendwann höre ich die Signation einer Fernsehserie, die ich nicht einmal wegen eines spannenden Buches links liegen lassen kann. Erst da registriere ich, wie spät es eigentlich schon ist. Frau Katz ist seit zweieinhalb Stunden am Gang unterwegs. Panisch lege ich das Buch zur Seite, denn ich höre weder ein Rumschleichen, noch ein Mauken oder ein wütendes Katzengemecker. 

Wo steckt Frau Katz?

Ich rase aus der Wohnungstür, wo ich beinahe den Schlüssel in der Türe innen stecken lasse. Gerade in letzter Sekunde stoße ich die Türe nochmals auf. Na das wär ja was gewesen – ausgesperrt nach 10 Uhr und ohne Handy, sodass ich im Notfall meine Frau Mama hätte anrufen können, die meinen Ersatzschlüssel hat. Nachbarn stört man am Besten um diese Zeit auch nimmer. Könnte unangenehm werden. 

Ich beginne also jedes Stockwerk nach Frau Katz abzusuchen. Ich renne die zwei Stöcke die Stiegen hinunter und rufe: „Schatzi, wo bist Du? Komm her, mein Mausebärchen! Kira, jetzt kommst aber her, sonst setzt es was!“ Leere Drohungen, das weiß natürlich auch meine Frau Katz! 

Es bleibt stumm im Stiegenhaus. Nur meine Panikanfälle werden immer lauter.

Ich laufe bis in den 4. Stock, rufe und suche Frau Katz in jeder Ecke.

Frau Katz hält sich weiterhin versteckt. 

WO STECKT MEIN STUBENTIGER … ? Sie wird doch nicht … ? Mein Panikgeschau wird noch panischer! Könnte es sein, dass Frau Katz auf die Straße raus gelaufen ist? Dass einer meiner Mitbewohner Frau Katz unabsichtlich die Tür in die Freiheit geöffnet hat?

Die schlimmsten Bilder formen sich in meinem Kopf. Ich bin dem Wahnsinn nah! Eine Katz auf Wiens Straßen? Überlebenschancen gleich NULL! Ohne Komma und Josef!

Ich gehe in meine Wohnung. Könnte ja sein … Hoffe, bange …

Und JA, siehe da, Frau Katz hockt seelenruhig in Ihrer TRANSPORTBOX! Man nehme dies und lasse es sich auf der Zunge zergehen. Frau Katz flötzt behaglich im Feindobjekt Nummero UNO, ihrer Transportbox! Irgendwie muss sie, als ich in mein Buch vertieft war, an mir vorbei geschlichen sein!

Ganz leise scheint sie mich auszulachen: „Ätsch, hast Dich ja nicht um mich gekümmert, da kannst ruhig mal ein paar Kilo abbauen und die Stockwerke rauf und runter rennen, Frauchen! So ist das nun mal, wenn man MICH negiert und ein blödes, doikates Buch meiner Hoheit vorzieht!“ Blinzelt mit den Augen, gähnt herzhaft und döst weiter …

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3 Kommentare zu “Unglaublich”

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