Katzenrabatz

Kätzische Wesensarten und -unarten

Heute kann sie’s wieder, meine Frau Katz. Schon in aller Herrgottsfrüh beginnt sie mit ihrem Rabatz: Runter vom hochbettischen Juchhee, schon mal mit großem Gemaunze und Gezeter. Dazwischen wird ein kleiner, wohlgezielter Jump auf Frauchens Bauch gelandet.

Nachdem Frauchen sich von dem Plumpser ihrer 4einhalb-Kilo-Katz erholt hat, kommt das Katzenköpfchen Richtung Frauchengesicht, die Augen schelmisch und leicht hinterfotzig zugezwinkert, stößt sie das Kopferl gegen meine Stirn und schnurrt ohne Ende. Streicheleinheiten werden eingefordert. Jetzt. Mitten in der Nacht! Aber – hach – irgendwie ist’s ja auch süß, wenn sie so lieb drum bittet. Also wird Frau Katz gestreichelt.

Irgendwann schlafe ich beim Streicheln ein.

Hah! Aber nicht bei Frau Katz. Streicheleinheiten wollen JETZT genossen werden und nicht irgendwann. Also stößt sie ihr Kopferl wieder an meine Stirn und schaut dabei schon ein bisschen strenger drein. Nimmer lieb. Echt, wie eine Oberlehrerin, die ihren Schüler ausschimpft, weil was nicht so passiert wie sie es will.

Na ja. Um des lieben Friedens Willen wird gestreichelt.

Natürlich döse ich wieder dabei ein. Mein Gott, es ist ja nicht mal halb5 Uhr Früh!

Keine kätzische Gnade in Sicht. Frau Katz springt mit großem Unmut von meinem Bauch runter und springt sofort wieder drauf. Beinahe könnte ich sie der absichtlichen Gewichtszunahme beschuldigen (wie auch immer sie das hätte machen sollen), denn der Plumpser ist schon um einiges „schwerer“.

Jetzt reicht’s mir und ich schmeiß den Vierbeiner vom Bett runter. Das Ergebnis ist natürlich zu erwarten: Ein weiterer Katzenplumpser mit gefühlten 6 Kilo auf den Bauch. Mitten in der Nacht. Da kommt Freude auf.

Aber irgendwann gibt Frau Katz doch auf und rollt sich murrend und schnarchend auf dem Schreibtischstuhl zusammen und schläft eine Runde.

Keine Frage die Runde dauert nicht lange. Frau Katz will was. Was ist ihr egal, aber ich muss ihr dieses WAS beschaffen. Also wird Frauchen wieder geweckt. Diesmal geht’s von meiner Seite nicht ohne Brüller ab. Der sitzt dann aber auch, denn Frau Katz zieht den Schwanz ein und pascht in Richtung Küche ab.

Der Brüller – ein lautes „Frau Katzzzzzzz!“ – reicht nicht lange an. Nun maukt das Katzentier von der Küche aus. Schöne, intensive, langgezogene Katzenunmutslaute. So richtig … hörbar … für mich … und meine armen Hausmitbewohner.

Diesmal kriegt sie ihren Willen, denn warum sollten meine armen Mitbewohner unter meinem launischen Katzenterror leiden? Also steh ich auf, schimpf ein bisschen vor mich hin: „Sag einmal, Frau Katz, spinnst du total? Du kannst doch nicht so einen Terror mitten in der Nacht veranstalten! Und noch dazu: ich muss schlafen! Schlafen, damit ich morgen unsere (mickrigen) Brötchen verdienen kann! Sonst sitzen wir auf der Straße!“

Beinahe scheint sie mir zu antworten (weil die Äuglein richtig frech aufblitzen): „Jö, fein, dann muss ich um meinen Freigang nimmer betteln!“

So ein kleiner Schlawiner.

Ich stell ihr schnell ein Fresschen hin und sofort macht meine Madame sich drüber her. Diätgedanken meinerseits verschwinden in Morpheus Dunst. Denn ich bin müde. Rechtschaffen lege ich mich wieder in mein Bettchen, schließe die Augen, seufze wohlig in der Annahme „nun hat sie ja was sie wollte und jetzt kann ich endlich wieder schlafen“. Na ja. Man sollte seine Katze wirklich nach 5 Jahren gemeinsamen Hausens kennen.

Klar, das Fresschen wird getilgt. Aber danach: „Hach, wie fad!“, muss sie sich denken, denn schon sitzt sie mit einem Satz wieder auf meinem Bauch und tretet ihn weich. Nicht, dass er das noch benötigen würde, mein Bauch. Der ist weich genug. Aber so ist das nun mal mit der kätzischen Wesensart.

Diesmal darf ich aber einschlafen. Ist das nicht lieb?

Um 8 Uhr ist Tagwache. Frauchentagwache, weil Frau Katz das so will. Jetzt will sie raus. Auslauf in den Hinterhof. Gnadenlos. Das Weckritual, das so langsam jede Niedlichkeit verliert, startet von neuem.

OK. Ich steh auf. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Rasch ziehe ich mich an, unter lauten Maukbekundungen meiner Frau Katz wohlgemerkt, und will schon die Wohnungstüre öffnen, damit mein kleiner Quälgeist ihren Freilauf bekommt. Doch halt! Mir fällt ein: heute kommt der Rauchfangkehrer, die Müllabfuhr und die Hausputzfee. Lächelnd drehe ich mich zu meinem abwartend dasitzenden und schwanzpeitschenden Tiger herum. Frau Katz sieht mich an, zwinkert mit den Augen, die immer größer werden … AHA – ihr schwant fürchterliches.

„Jaja, Pech gehabt Mäuseschwänzchen!“, sage ich nicht ganz frei von Schadenfreude. „Heute kannst nicht raus, weil zu viele Leute die Hauseingangstüre ständig offen lassen werden und du dann auf die Straße raus laufen könntest. Nein, mein Katzenschatz, heute bleibst drin.“

Sprachs, schließe die Tür wieder ab und setze mich an den Computer.

Völlig perplex und sprachlos starrt mich meine Katzendame mit ihren großen grünen Augen an – fast so als würde sie sagen wollen: „Ei der Dautz! Da hab ich’s wohl heut ein wengerl übertrieben!“ Enttäuscht rollt sie sich auf meinem Bett zusammen und schiebt ein Schäferstündchen ein …

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15 Kommentare zu “Katzenrabatz”

  1. Hast du schon mal daran gedacht, deine Katzengeschichten zu „vermarkten“ – eine Kolumne in der „Freizeit“?
    Das ist so lieb und total zum Schmunzeln geschrieben, wer würde das nicht gerne lesen?

  2. Hundefans? 😉

    Vielen lieben Dank für das Lob, Elli! Wär schon eine feine Sache … und finanziell wär’s auch fesch … Aber ohne Vitamin B … in Österreich?

  3. herrlich deine Geschichten rund um Frau Katz!

    ich muss Elli recht geben – du kannst doch mal versuchen – deine Katzengeschichten einem Verlag anzubieten!

    liebe Grüße

    Ini
    ..jetzt auch mit Blog…

  4. Na so was aba auch … Dachte immer, ich würde beim Bloggen entdeckt und alles geht von allein! Tststssss … *kopfschüttel*

    Ini – wie lautet denn Dein Blog? Weil Du geschrieben hast Ini ..jetzt auch mit Blog…

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