Schock!

Und gleich vornweg: Frau Katz geht’s gut!

Wie schon berichtet, spiele ich momentan den Katzensitter bei Frau Katzens Hausfreund Chichi. Das 90jährige Frauchen musste sich einer Not-OP unterziehen und ist nun auf Reha. Irgendwo am Land. Nicht mal in Wien. Also passe ich jetzt auf ihren kätzischen Methusalem auf.

Chichi ist satte 19 Jahre alt. Nimmer so ganz da, ein bisserl geriatrisch veranlagt, erleichtert sich beiderarts mit Vorliebe im Wohnzimmer. Der schöne, alte Parkettboden wird dadurch auch nicht besser. Aber es ist halt so.

Durch seine unliebsame Art der Entsorgung seines Fresschens, kann ich Chichi nicht wirklich in meine Wohnung holen. Erstens würden sich dadurch auch meine Parkette mit einem unliebsamen Geruch vollsaugen, den ich wahrscheinlich nie wieder raus bringen würde, und zweitens ist da noch Frau Katz.

Nein, Frau Katz hat nichts dagegen Chichi in seiner Wohnung zu besuchen, aber wehe, der Kater setzt eine Tatze in IHR REICH! Da hört sich jede kätzische Freundschaft auf. Da gibt’s ein Gepfauche und ein Geknurre, das jedem Kampfhund von ausufernder Größe Ehre machen würde.

Ein Miteinander von Frau Katz und Chichi ist daher einfach nicht möglich.

Also füttere ich den Kater in seiner Wohnung, streichle ihn – wenn ich darf, denn eigentlich mag er mich nicht sonderlich -, bürste ihm das lange, noch nicht verknotete Fell (Perserkater). Mache – unsinnigerweise – sein Kisterl sauber.

Wen Chichi aber mag ist mein Freund. Der darf ihn streicheln. Er darf den Kater sogar hochheben. Ein absolutes Nogo würde ich mich erdreisten den alten Herrn mal im Arm zu knuddeln! Der Kater ist groß. Und er kann wirklich, wirklich sehr beeindruckend Knurren.

Also überlasse ich die Streicheleinheiten meinem Freund oder der Katzenomi. Die darf Chichi nämlich auch anfassen. Nicht hochheben, aber wenigstens streicheln.

Letztens schickte ich meinen Freund also einen Stock tiefer zu Chichi. Es war schon spät in der Nacht – aber hei, Katzen schert doch die Nachtzeit nicht. Und so ist es auch. Sowohl Chichi als auch Frau Katz haben sich den Schlafgewohnheiten ihrer Frauchens angepasst. Das heißt: neben Dauerschlaf am Tag wird auch so gut wie die ganze Nacht verpennt.

Wie gesagt, mein Freund besuchte Chichi und ich werkelte in der Küche rum (Gott sei Dank habe ich eine sehr geduldige und ebenfalls nachtaktive Nachbarin). Plötzlich kam mein Freund, kreidebleich wieder in die Wohnung, packte meinen Arm und zerrte mich ein Stockwerk tiefer. Auf der Treppe murmelte er: „Ich glaube Chichi ist tot!“

Ui. Schock. Wirklicher Schock! Wenn Chichi nimmer ist, sagt zumindest immer meine 90järhige alte Dame, will sie auch nimmer sein! Habe ich den Kater am Gewissen? Hab ich nicht gut genug aufgepasst? War er zu viel allein und hat aufgegeben?

Ehrlich, ich war geschockt.

In der Wohnung meiner Hausmitbewohnerin war es stockdunkel. Nur die Lichter der Straßenbeleuchtung schienen ins Schlafzimmer der alten Dame. Dort, auf seinem alten Lieblingssessel lag Chichi. Der Kater lag auf der Seite. Regte sich nicht. Voll Angst strich ich ihm über sein Köpfchen. Keine Reaktion. Ich rief ihn. Keine Reaktion. Ich kraulte ihn abermals am Kopf, hob seine Augenlieder hoch. Keine Reaktion. Dann merkte ich, dass Chichi total steif war. Ich rief ein bisschen panischer seinen Namen. Immer noch keine Reaktion. Im dunkeln Zimmer konnte ich nicht sehen ob er noch atmete, also strich ich mit meiner Hand über seine Flanken. Da, ein Knurren, ein Pfauchen, und schon sprang Chichi von seinem Sessel. Er lebt! Der Kater lebt!

Ich habe heute noch keine Ahnung was da passiert war. In meinen Augen war Chichi schon mit einem Fuß an der Regenbogenbrücke. Seine Abneigung gegenüber meinen Berührungen muss ihn zurück gebracht haben. Ich denke, er war fast tot. Scheintot.

Jeden Tag, wenn ich zu ihm runter geh, rechne ich damit, dass Chichi tot auf seinem Lieblingssessel liegt. Kein angenehmes Gefühl, sag ich Euch. Ich freue mich daher um so mehr, wenn Chichi Frau Katz und mich meckernd an der Wohnungstür empfängt.

Mir tut Chichi leid, so allein in seiner Wohnung. Ich hoffe, sein Frauchen kommt wirklich wieder zurück, denn schön ist so ein einsames Katzenleben nicht. Dreimal am Tag kommen Frau Katz und ich den Kater besuchen. Wir bleiben oft eine Stunde und mehr und entertainen Chichi. Aber das ist kein Ersatz für sein geliebtes, dauernd anwesendes Frauchen …

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5 Kommentare zu “Schock!”

  1. oh…

    das ist aber noch mal gut gegangen…

    ich hatte mal als Kind (ja ich war auch mal klein *zwinker*) einen schwarzen Perserkater als Pflegetier…

    Bonny ist zwar nicht das passiert, doch da er sich s…wohl bei uns fühlte, wusste er am Ende nicht – wo er hin sollte.

    das war das letzte Mal, dass wir Bonny zur Pflege hatten, aber dafür hatte ich in den Ferien immer Biene – einem schööönen Tiger. Wo er lebte? vielleicht findest Du den Beitrag auf unserem Blog. Tip – Harz *zwinker*

    liebe Grüße

    Ini

  2. Hallo Kipet,

    das ist normal bei alten Katzen! Frag nicht, wie oft ich bei meiner Trixi deswegen am Durchdrehen war. Trixi, eine tiefschwarze Hexe, mit einigen wenigen einzelnen weißen Haaren auf der Brust, zaundürr im Alter, kam mit 12 Wochen zu uns und ging mit 19,5 Jahren über die Regenbogenbrücke. Sie war das letzte Jahr fast taub und sie schlief enorm tief. Neben ihr hätte eine Bombe hoch gehen können, sie hätte seelenruhig weiter geschlafen.

    In diesem hohen Alter muss man einfach immer damit rechnen. Du wirst es aber ohnehin merken, dass die Zeit für Chichi gekommen ist, er verhält sich einige Stunden vorher anders!

    Alles Liebe,
    jola

  3. Hi Jola,

    uiui, da steht mir ja was bevor! Ich hoffe, dass das Frauchen noch einmal zurück kommt, bevor Chichi über die Regenbogenbrücke geht! Nicht auszudenken!

    LG Kipet

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