Tor des Schreckens

Überraschung im Foyer

Wie jeden Nachmittag mache ich auch heute meine Hausinspektion. Dabei laufe ich vom zweiten Stock ins Erdgeschoss und checke die Lage. Es könnte ja sein, dass sich da eine Fremdkatze eingeschlichen hat – und das wäre unerträglich, denn die Herrin im Haus bin ich, Frau Katz. Ich allein, und niemand sonst.

Stockwerk zwei – kein Problem.
Stockwerk eins – *seufz* Chichi, wie vermisse ich dich!
Erdgeschoss – auch alles klar.

Danach stiefle ich wieder in den ersten Stock, dann in den zweiten … lege einen Kurzbesuch bei meiner Katzenmami ein und strawanze weiter ins dritte Geschoss und kröne meinen Streifzug durchs Haus mit einem Besuch bei den supertollen Dachwohnungen. Die haben da oben ein gaaanz großes Fenster von wo aus ich ein Vogelpärchen perfekt beobachten kann, das immer im großen Baum in unserem Hinterhof hockt und zwitschert. Zwitschert. Und das mir, Frau Katz! Dabei werd ich immer hypernervös und lasse meinen Schwanz aufgeregt zucken. Ein wunderschöner Zeitvertreib.

Meistens bleibe ich eine Weile im Dachgeschoss. Irgendwann höre ich mein Frauchen aus dem 2. Stockwerk nach mit quaken. „Frau Kahaatz, komm Schatzi!“ Als ob sie’s nicht besser wüsste, dass das nicht hilft. Ich komm erst, wenn ich mit meinem Ding fertig bin. Auch wenn dieses Ding einzig und allein darin besteht dummdreist aus dem Fenster zu starren und zu hoffen, dass das Vogelpärchen wieder in Sicht kommt.

Dieser vermaledeite Baum aber auch. Normalerweise ist er um diese Jahreszeit nimmer so gut belaubt und ich habe bessere Sicht auf die Vögel. Was mit dem Gestrüpp heuer los ist, weiß der Himmel! Es grünt so grüüün und wird nicht weniger! Nicht katzengerecht, dieses dichte Blätterdach, versperrt mir total die Sicht auf mein Katzenfernsehen!

Ah, da ruft sie schon nach mir. Hm. Ich denke, ich lasse sie noch ein Weilchen zappeln. Aber hier oben ist’s echt fad. Also laufe ich wieder runter.

Vom Dachgeschoss in den 4. Stock.
Vom 4. in den 3. Stock.
Rasch schau ich im 2. wieder bei Frauchen vorbei. Schön, die hockt eh am Computer.
Weiter runter in den 1. und am Ende lande ich wieder im Erdgeschoss. Hier bleibe ich wie immer auf den Stufen sitzen. Irgendwie ist mit das Eingangstor zur Straße hin bisher ziemlich suspekt gewesen. Ständig gehen da Leute vorbei, manche bleiben stehen und rasseln mit den Schlüsseln bevor sie herein kommen. Meistens ist das für mich das Zeichen abzuhauen. Könnte ja sein …

Aber heute lockt mich das Straßentor. Sehr. Ich wage mich die letzte Stufe auf den Gang hinunter und schleiche mich ein Beinchen vor das andere setzend in bislang unerforschte Gefilde. Captain Katzenkirk erforscht die unendlichen Weiten des Foyers. Da! Ein Rascheln. Was mag das sein? Ich spitze meine Ohren, erinnere mich, dass auch von hinten Gefahr drohen könnte und drehe flugs das rechte Ohr in Richtung Stiegenhaus. Nein, war nix. Weder vorn noch hinten.

Also wage ich ein paar weitere Schritte zur Türe hin und hocke mich ein Weilchen davor, als plötzlich eine tolldreiste Fliege mein Gesichtsfeld kreuzt. Vergessen ist die Eingangstüre. Vergessen, dass ich davor hocke. Vergessen auch die Angst, was denn da von draußen rein kommen könnte.

Die Fliege ist wichtig. Nix zählt mehr. Ich konzentriere mich voll auf das nervige Summsummtier. Aufgeregt verfolge ich ihren Flug, bin ganz vertieft in dem Wunsch beseelt dieses Ding in meinen Magen zu bekommen. Die sind ja auch super lecker, diese Fliegen!

*SSSSSSSSuuuuummmSSSSSummm* Die ist aber eine von der schnellen Sorte. Ich muss … Schlüsselrasseln, Türe geht auf, Mensch kreischt, ich pfauche, mache eine Satz und rase rasch die Stockwerke hoch. Hoch zu Frauchen. Die wird mich schützen vor dem Etwas, das da gerade bei der brandgefährlichen Eingangstüre herein gekommen ist! Paaaanik.

Irgendwie ist’s doch nirgendwo schöner als in meinen vier Wänden. Miau!

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2 Kommentare zu “Tor des Schreckens”

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