Schneeflocken

schneeflocken

Leise rieselt in Wien wieder der Schnee. Ganz vorne in der ersten Reihe fußfrei am Schlafzimmerfenster Frau Katz…

Mauk, maunz…sie schläft noch immer. So ein faules Frauchen. Echt. Um halb fünf Uhr Früh muss sie mir mein Fresschen machen. Ich habe hunger. Und sie? Nicht einmal meine Sprünge auf ihren Bauch helfen. Oder tut sie nur so…?

Ich bemühe mich mit keinem Augenzwinkern mein Wachsein zu verraten. Natürlich weiß ich, was mein Tigerchen von mir will. Doch ein Nachgeben meinerseits wäre fatal, dann hätte ich in den folgenden Nächten in aller Herrgottsfrüh keine Ruhe mehr. Sie würde es immer wieder und wieder probiern – nämlich mich aufzuwecken.

Also spiele ich „gnadnelos schlafende Katzenmami“ und hoffe, dass der ungerechtfertigte Hungeranfall vorbei geht. Ungerechtfertigt deshalb, weil sie eh kugelrund ist und neben einem halbvollen Schüsselchen Trockenfutter auch noch immer ein bisschen was vom Mitternachtsimbiss, der darauf wartet verputzt zu werden, stehen hat.

Und da…es ward leiser. Frau Katz scheint sich beruhigt zu haben. Nein, am Trockenfutter knabbert sie nicht herum, das Knacken würde ich hören. Es ist still in der Wohnung. Verdächtig still. Ich drehe mich schlaftrunkende Wohlfühligkeit vorgebend um und linse ganz vorsichtig nach meinem Katzentier. Und da sitzt sie. Starrt aus dem Fenster. Nichts kann sie ablenken. Ich räuspere mich. Drehe mich wieder vorsichtig um.

Keine Chance, Frau Katz rührt sich nicht. Seltsam.
Jetzt werde ich neugierig. Ich mache meine Augen auf und schaue genauer zum Fenster hinaus. Es schneit. Schöne dicke Schneeflocken beutelt Frau Holle heute Morgen aus ihren Federkissen und verzaubert die Stadt mit einem leisen Schneeteppich. Ich stehe auf und möchte mir das Schauspiel selber anschauen. Frau Katz dreht ihre Ohren nach hinten, regt sich aber sonst kein bisschen.

„Na da schau her, Mutzbär“, sage ich. „Wie schön es heute wieder schneit.“
Prrr„, antwortet meine Frau Katz.
„Sollen wir das Fenster ein bisschen öffnen?“
Mrrrrrrr„, sagt sie, macht einen wohligen Katzenbuckel und streift unruhig vor dem Fenstern hin und her.
„Na wart ein bisserl“, scheuche ich mein Tigerchen ein bisschen auf die Seite. „Du musst schon Platz machen.“
Mjauuuu„, meint Frau Katz.

Ich entriegele das Fenster und lasse die winterkalte Luft in unsere warme Wohnung hinein. Ein paar übermütige Schneeflocken folgen. Völlig gespannt stiert mein Katzentier auf die tanzende weiße Pracht. „Mrrrrr„, meint sie, zwinkert mir freundlich zu und dreht ihr Köpfchen sofort wieder in Richtung Schneetreiben. Ein paar Minuten sitzen wir so da, wie ein altes Ehepaar, und genießen das winterliche Schauspiel.

Prrrrmjauuu„, macht da meine Frau Katz, schaut mich keck an, streckt ihren Körper, springt vom Fensterbrett und läuft maunzend in Richtung Küche. „Mjau, jetzt komm schon! Wenn Du schon auf bist, kannst Du auch sofort in die Küche gehen und mir mein Fresschen machen!

Hinterlistiges Katzentier. Hat sie mich am Ende doch wieder da wo sie mich haben will!

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Ein Gedanke zu „Schneeflocken“

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